Computer, Handy und Co
In kürzester Zeit haben Computer, Notebooks, Handys, Digitalkameras, Beamer und Spielkonsolen unsere Lebenswelt erobert. Leider bringen sie nicht nur Vorteile, sondern werfen auch viele Probleme auf.
Diese gehen über den CO2-Ausstoß durch Stromverbrauch hinaus. Produktion, Verwendung und Verschrottung von elektronischen Geräten sind mit gravierenden sozialen und ökologischen Folgen verbunden.
Die Rohstoffe
Weltweit entstehen pro Sekunde etwa 7 Computer; Tendenz steigend. Die Geräte werden zwar immer kleiner, der Rohstoffbedarf für ihre Herstellung aber groß. Bis zu 700 verschiedene Stoffe benötigt man für ein Elektronikgerät. Der Abbau von Metallen wie Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink, Gold, Platin, Kobalt und Coltan geschieht oft im globalen Süden und wirkt sich dort überwiegend negativ auf Mensch und Umwelt aus. Damit Minen eröffnet werden können, werden Menschen von ihrem Land vertrieben und der Betrieb vergiftet Böden, Wasser, Grundwasser und Luft. Die Schäden für Mensch, Pflanzen und Tiere sind teilweise so weitreichend, dass ganze Dörfer ihre Existenzgrundlage verlieren.
Coltan, das das seltene Metall Tantal enthält, ohne das kein Mobiltelefon, kein PC, kein iPad funktioniert, wird im Kongo oft von Kindern aus der Erde geholt. Das Bürgerkriegsland besitzt 70% des Weltvorkommens an Coltan – ein Fluch für die Bevölkerung. Denn mit dem Verkaufserlös finanziert sich ein rücksichtsloser Krieg zwischen Rebellenarmeen und Soldaten, in dem es keine Tabus gibt. Waffenhandel, Zwangsarbeit und Zwangsprostitution sowie die Rekrutierung von Kindersoldaten gehören zu diesem schmutzigen Geschäft.
Die Herstellung
Die Computerindustrie ist ein Wachstumsriese. Durch den Boom entstanden viele Arbeitsplätze in Südostasien und China. Dass ein Großteil der ArbeiterInnen jedoch die eigenen Lebensbedingungen kaum verbessern kann, hängt mit den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen zusammen: keine festen Beschäftigungsverhältnisse, keine existenzsichernden Löhne, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bei der Arbeit mit giftigen Chemikalien; stattdessen sind Zwangsüberstunden bis zu 80 Wochenstunden, die Unterbindung gewerkschaftlicher Interessensvertretung sowie Entlassungen bei Auftragsflaute die Regel.
Eine massive gesundheitliche Gefährdung ergibt sich oft aus dem Umgang mit toxischen Stoffen wie z.B. Schwefelsäure. Es mangelt an Arbeitsschutzmitteln sowie einer entsprechenden Schulung. Hautprobleme, Atemwegsbeschwerden, erhöhtes Krebsrisiko, Ausbleiben der Monatsregel und Fehlgeburten sind typische Folgen.
Die Unternehmen stellen bevorzugt junge Frauen ein, weil diese als zuverlässig, flexibel und gewerkschaftsfern gelten. Besonders hoch ist der Anteil von Migrantinnen und Wanderarbeiterinnen, die wegen ihres unsicheren Aufenthaltsstatus besonders leicht auszubeuten sind.
2010 sorgte eine Serie von Selbstmorden unter den Beschäftigten des weltweit größten Elektronik-Herstellers Foxconn in Südchina für Schlagzeilen. Beschäftigte klagten über lange Arbeitszeiten, hohen Druck, niedrige Bezahlung, strenge Disziplin und schlechte Behandlung durch Vorgesetzte. Das Unternehmen bestritt alles und verlangte, um weiteren Selbstmorden vorzubeugen, schriftliche Erklärungen der Konzernbeschäftigten: “Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen.”
Die Entsorgung
Elektroschrott ist der am schnellsten wachsende Müllberg weltweit. Jährlich kommen bis zu 50 Millionen Tonnen hinzu. Stetig neue Softwareanforderungen, schneller Preisverfall für Gebrauchtgeräte sowie teure oder nicht mehr erhältliche Ersatzteile führen dazu, dass Geräte nicht repariert, sondern neu angeschafft werden.
Ein erheblicher Teil der Altgeräte wird in die sogenannten Entwicklungsländer exportiert und dort ohne Schutzvorkehrungen per Hand zerlegt. Der Export von Elektroschrott in Entwicklungsländer ist verboten, der von funktionstüchtigen Geräten nicht. Aber nur etwa ein Viertel der verschifften Geräte funktioniert noch.
Die kaputten Geräte landen entweder direkt auf offenen Mülldeponien und werden verbrannt oder sie werden recycelt, um die enthaltenen Rohstoffe wie z.B. Gold und Kupfer wieder frei zu setzen. Dies geschieht nicht selten mit Hammer und Bunsenbrenner unter freiem Himmel. Schwermetalle vergiften Luft und Wasser; die ArbeiterInnen atmen diese direkt ein und tragen den giftigen Staub in ihren Kleidern nach Hause.
Alternativen
“Green IT”, also “Grüne Informationstechnologie” ist ein neues Schlagwort. Die Hersteller bemühen sich um weniger Chemie, mehr Energieeffizienz, höhere Lebensdauer und Recycling-Fähigkeit der Ware. Ein “wirklich grünes” und rundum fair produziertes Produkt gibt es noch nicht.
Aber wenn genügend Käufer einen öko-sozialen PC fordern, wird er bald auf dem Markt sein. Im Internet finden Sie dazu Information und Aktionsmöglichkeiten.
Nutzen Sie ihre elektronischen Geräte länger und lassen Sie die ausgedienten recyceln.
In München wird Elektroschrott im Wertstoffhof fachgerecht entsorgt. Werfen Sie ihn keinesfalls in den Müll! Beteiligen Sie sich an den Handy-Sammelaktionen!
Infos
www.clean-it.at
www.handy-trendy.de
www.makeitfair.org
www.pcglobal.org